Interview mit zwei Kehlchen zum Jubiläum 2017

Was fällt euch spontan ein, wenn ihr an die Anfangszeit der RosaKehlchen denkt?

S: Ich bin ja erst 2001 dazu gestoßen. Aber dieses Feeling der RosaKehlchen, die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, das war zu spüren. Es ging um den Spaß am gemeinsamen Singen unter Schwulen, aber auch darum, die politische Botschaft nach außen zu tragen, also für die Community was zu tun.

A: Schwules Lebensgefühl rüberbringen und dafür eintreten, dass Schwule gleichberechtigt in der Gesellschaft leben, war sicher ein Impuls. Wir haben uns andererseits als ein Chor wie alle anderen gesehen und wollten deshalb auch in den Badischen Chorverband. Damit sind wir erst einmal gescheitert und das zeigt, wie die Situation um die Jahrtausendwende noch war. Im Ergebnis mussten wir das einklagen und es wurde dann auch bestätigt. Das war wirklich ein wichtiges Ereignis, übrigens auch für die anderen beteiligten Chöre.

Es ging aber natürlich auch darum, andere Schwule kennenzulernen, die das gleiche Interesse haben. Also einerseits Spaß am Singen, Spaß an der Gemeinschaft, aber auch einzutreten für unser Lebensgefühl und das, was uns politisch verbindet, das war insgesamt das Gefühl, das den Chor gekennzeichnet hat und auch heute noch so ist.

Und was ist heute bei den RosaKehlchen anders als früher?

S: Wir haben uns musikalisch sehr weiterentwickelt. Gesanglich sind wir besser geworden, gereift. Es geht auch ernster zu als früher. Früher ging es ohne Straps und Fummel gar nicht, das war immer Bühnenbestandteil. Das haben wir heute nicht mehr.

A: Der Chor hatte ja Höhen und Tiefen, er hatte verschiedene Chorleiter, übrigens auch mal eine Frau... Wir hatten dann uns dann dafür entschieden, dass wir Rolf fragen, der uns ja schon über viele Jahre auf dem Klavier begleitet hatte. Er hat das erst mal kommissarisch gemacht und irgendwann hat es ihn richtig gepackt. Rolf hat die Wende vollzogen hin zu mehr Anspruch im Chor heute.

Erzählt mal von den verschiedenen Programmen über die Jahre, und was die Ideen dahinter waren. Das war ja recht bunt...

A: Ein bisschen schrill und ein bisschen laut habe ich das erste Programm in Erinnerung, bei dem ich dabei war. Aber wie heute hatten wir auch schon damals gut arrangierte Chorsätze und eigene Texte, meistens auch mit so etwas wie einem roten Faden. In der Rückschau würde ich aber sagen, es war klamaukig. Das hat vielleicht in die Zeit gepasst, aber war auch damals zum Teil schon grenzwertig. Wir waren alle aufgerüscht und aufgehübscht und einige haben auch Fummel getragen.

Beim James Bond-Programm haben wir einen typisch heterosexuellen Helden aufgegriffen und uns damit beschäftigt, was eigentlich wäre, wenn James Bond schwul wäre. Das war sicherlich sehr amateurhaft, aber es hat Spaß gemacht. Da waren super Lieder und Songtexte dabei.

S: Also Thema Nummer eins bei allen Programmen war die Liebe. Schwule Liebe. Einmal ging es um einen Eisdielenbesitzer, dessen Sohn eigentlich mit einer Ramona verheiratet werden sollte, sich aber anders entschieden hat, weil er schwul war. Bei James Bond war die Handlung, dass der Geheimagent eine Waffe eliminieren soll, die wenn sie eingesetzt wird, die Menschen umdreht: Aus Heterosexuellen werden Homosexuelle und umgekehrt. "Else" war eine Bewohnerin in einem Haus, in dem es mehreren Mietparteien gab. Es gab ein schwules Pärchen im Dachgeschoss, die sollten herausgemobbt werden. Die Kehrwoche wurde nicht eingehalten, wurde ihnen unterstellt. Im Laufe der Zeit war sie aber dann geläuert und hat dann auch festgestellt, ihr Sohn ist auch schwul und dann fand sie das ganz klasse und hat sich sehr wohl gefühlt mit den Mitbewohnern.

Was war für dich der witzigste Moment bei einem Auftritt oder einem bestimmten Programm?

S: Zwei Verliebte wollen in einem Eiscafé einen Eisbecher "Coppa d'Amore" verzehren. Das Ding war aus Styropor und da wurden Wunderkerzen reingesteckt und angezündet. Dummerweise ging er dann ungeplant in Flammen auf. Das war auch noch in der Feuerwache, glaube ich.

A: Alle haben gelacht, als ob das geplant wäre, aber es war natürlich eine Katastrophe, dass auf der Bühne Feuer ausbricht. Aber wir haben's irgendwie hingekriegt und nach einem lockeren Spruch war es auch schon gelöscht.

S: Bei einem Programm hatte jemand so eine Art Kissen für eine Brust dabei. Ein Teil fiel runter und lag unter der Bühne, als derjenige gerade auf die Bühne sollte. Das tat er dann auch, aber die halbe Montur war noch nicht zurechtgerückt...

Wird es die RosaKehlchen in 25 Jahren noch geben und wenn ja, was werden sie machen?

S: Ich glaube ja und sie werden auch noch singen. Zu den Anfangszeiten war ja viel Kostümen, mit Straps und Fummel. Das ist sehr viel weniger geworden. Vielleicht geht es auch dahin zurück? Wer weiß, was die Zukunft bringt.

A: Es wäre auf jeden Fall gut, wenn es sie dann noch gibt. Wir werden uns weniger mit dem Schwulsein gegenüber anderen abgrenzen, sondern müssen immer mehr dahinkommen, dass wir in erster Linie ein guter Chor sind und daneben auch ein schwuler Chor. Es wird weiterhin Kirchenchöre geben, oder Uni-Chöre oder Fußball-Chöre, warum soll es da nicht auch einen schwulen Chor geben?