Geschichte

1992 in Heidelberg gegründet, gehören die RosaKehlchen inzwischen zum festen Bestandteil des Kulturlebens des Rhein-Neckar-Raumes.

Mehrere abendfüllende Programme wurden seither erarbeitet und erfolgreich aufgeführt. Die RosaKehlchen sind inzwischen ein als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein.

Zusammen mit den Queerflöten aus Freiburg und den Schrillmännern aus Karlsruhe wurde im Jahr 2000 die Aufnahme in den Badischen Sängerbund gerichtlich erstritten.

2017 feiern sie ihren 25. Geburtstag mit Jubiläumskonzerten in Heidelberg und der Region.

RosaKehlchen im Choralverkehr mit dem Badischen Sängerbund

Spätestens wenn er als «ethischer Störfaktor» und als «Gefährdung für die Jugendarbeit» diffamiert wird, erwacht auch im szeneverwöhnten Milleniumsschwulen der revolutionäre Ansatz der Sechziger und Siebziger wieder. Genug ist schließlich genug. Dies war auch die Meinung der schwulen und lesbisch-schwulen Chöre aus Heidelberg (RosaKehlchen), Freiburg (Queerflöten) und Karlsruhe (Schrillmänner), die nach abgelehnten Aufnahmeanträgen ihre Position im Badischen Sängerbund mittlerweile gerichtlich erstritten haben.

Dass das südwestdeutsche Vereinswesen sich nicht gerade durch Progressivität auszeichnet, ist nicht wirklich überraschend. Mit welchem Durchhaltevermögen der Badische Sängerbund (BSB) seit nahezu zehn Jahren seine Provinzialität zur Schau stellt, ist allerdings beeindruckend. Während der Berliner Sängerbund seine schwulen Mitgliedschöre zwecks Repräsentation auf internationale Veranstaltungen schickt, äußert sich der BSB vor laufenden Kameras: «wir wollen das nicht, weil wir haben eine Kulturaufgabe». Die Öffentlichkeit amüsiert sich; für die Presse eine willkommene Posse.

Nachdem vor Jahren die Schrillmänner (die daraufhin von der ZEIT als «Glücksfall für das deutsche Männerchorwesen» bezeichnet wurden) ihre Absage vom BSB erhalten haben, kämpften sich auch die Heidelberger RosaKehlchen erfolglos durch alle drei verbandsinternen Instanzen, bis sie schließlich von der landesweiten Delegiertenversammlung mit großer Mehrheit abgelehnt wurden (BSB-Vorsitzender Münch: «Ich kann nicht 70 000 Sänger umbiegen, um 20 aufzunehmen»).

Berichte erschienen in den zahlreichen Boulevardmagazinen des deutschen Fernsehens, auch eine Petition an den Baden-Württembergischen Landtag wurde seitens der RosaKehlchen in Betracht gezogen - schließlich ging es um die Frage, ob der BSB durch Verteilung von Fördermitteln des Landes nach seinem eigenen «moralischen» Gutdünken nicht unerlaubt in die Kulturpolitik eingreift (Münch: «Die moralischen Bedenken sind groß»). Die finanziellen Aspekte des Streits sind allerdings im Bereich «Peanuts» angesiedelt. Ein guter Teil der zu erwartenden Zuschüsse geht dann gleich wieder auf die obligatorischen Abos der Sängerbundspostille «Badische Sängerzeitung» drauf. Aber allmählich ging es vor allem ums Prinzip...

So platzte schließlich den Freiburger Queerflöten nach deren abgelehntem Aufnahmeantrag der Kragen. Sie beschlossen den Rechtsweg einzuschlagen, motivierten RosaKehlchen und Schrillmänner zur gemeinsamen Aktion und gewannen den Anwalt Christoph Rosset zur ehrenamtlichen Tätigkeit.

Fieberhaft sah man dem Prozess entgegen und bastelte an den Argumenten. Eine Entscheidung nach Aktenlage wäre eine Enttäuschung gewesen - aber es kam tatsächlich zum erwünschten Showdown vor dem Landgericht in Karlsruhe. Der vorsitzende Richter Eberhard Lang genoss sichtlich die Abwechslung vom ansonsten eher tristen Juristenalltag und sprudelte von originellen Bemerkungen. Der BSB blieb dagegen bei seinen drögen Argumenten: Obszönität und Jugendgefährdung. Ein Foto, auf dem doch tatsächlich einer der Sänger im Fummel abgebildet ist, wurde Gegenstand der Verhandlung, die vom BSB-Vorsitzenden Münch zitierten «bei Auftritten umgehängten Gummipenisse» dienten als Argument (hätte man dem 70-jährigen prophezeit, dass er so etwas mal in den Mund nehmen würde...). Der Vorwurf, schwule Chöre böten ein einseitiges Programm, konterte der Richter mit der Bemerkung, dass der «Frauenchor der Fleischerinnung Mannheim» (Ja, den gibt es und er ist im BSB!) sicherlich auch nicht nur hackebeilschwingend auftrete und «Alles hat eine Ende, nur die Wurst hat zwei» sänge.

Lang arbeitete zur Beilegung des «Badischen Sängerkrieges» vergeblich auf einen Vergleich beider Parteien hin, bei dem die Chöre sich einverstanden erklärt hätten, zur Vermeidung von Provokationen vor gemeinsamen Auftritten mit dem BSB das Repertoire abzustimmen. Münch besinnt sich jedoch auf die demokratische Tradition seines Vereins - schließlich kann er nicht entgegen der Entscheidung der Delegiertenversammlung eigenmächtig die Chöre aufnehmen. Damit haben die Chöre also die höchstrichterliche Genehmigung zur Provokation erhalten.

Richter Lang gratulierte den Chören, dass sie nun am «bundesdeutschen Choralverkehr» teilnehmen könnten. Das Urteil ist rechtskräftig, die ursprünglich vom BSB eingelegte Revision wurde zurückgezogen.